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Rostock und Warnemünde – Weltoffene, moderne Hafenstädte mit historischem Stallgeruch Ganz zuerst waren die da, die in Germanien überall da waren; natürlich die Germanen! Doch auch die blieben, wie im Weltgefüge üblich, nicht für ewig. Vor über 1400 Jahren kamen dann slawische Einwanderer vom Stamm der Kyzziner vorbei und siedelten am östlichen Ufer des Flusses, den wir heute als Warnow kennen. Wie seinerzeit üblich gehörte Raub und Brandschatzung zum tagesaktuellen Geschäft, womit die Errichtung einer Burg zum Schutz reine Formsache war. Die „Trutzburg“ wurde „roztoc“ genannt, was wohl soviel wie „auseinanderfließen eines Flusses" bedeutete. Die ganze Burgenbauerei half den Slawen erst einmal wenig, denn sowohl die seinerzeit dominierenden Herren in schwerer Ritterrüstung und Kreuz auf dem Umhang, als auch der in Mecklenburg und Pommern marodierende Dänenkönig Waldemar I. legten den Holzbau mit Hilfe des roten Hahnes fein säuberlich in Schutt und Asche. Im Troß des dänischen Kriegsfürsten reiste aber ein gewisser Saxo Grammaticus, seines Zeichens schreibkundiger Däne, und notierte anno 1161 Roztoc für die Nachwelt. Rund um die heutige Petrikirche ließen sich neu zugereiste deutsche Kaufleute und Handwerker nieder und in altbekannter deutscher Gründlichkeit dauerte es nur noch knapp ein Jahrhundert, bis der mittlerweile entstandene zentrale Handelsplatz alle umliegenden Teilgebiete in sich aufsog und als Stadt unter gleicher Bezeichnung erstmalig verbrieft auftaucht. 1265 soll das gewesen sein. Für den Mecklenburger Landesherren jedenfalls war das kein Traumjahr, den seine Fürstlichkeit waren rein kassenmäßig derart klamm, daß sich ihre Eminenz gezwungen sahen, der Stadt ein derart großes Waldgebiet zu verkaufen, welches noch heute in seiner Ausdehnung als kommunales Eigentum seinesgleichen sucht und als Rostocker Heide bekannt ist. Doch damit war es längst nicht getan, denn die frühemanzipierten Bürger witterten Morgenluft und rangen dem Fürsten auch gleich noch Münzgerechtigkeit, volle Gerichtsbarkeit und freien Zugang zur nahen Ostsee ab. Das war dann der definitive Durchbruch und im Verbund der Hanse gehörte Rostock zu Ende des 14. Jahrhunderts mit seinen 12 000 Einwohnern, nach heutigen Maßstäben durchaus mit Los Angeles vergleichbar, zu den einflußreichsten Hansestädten.
Der Reichtum konzentrierte sich freilich in den Händen einiger weniger patrizischer Kaufmannsfamilien. Die waren sich dann auch nicht zu Schade, dem Vorbild einiger Sippen in Wismar zu folgen und einem gewissen Klaus Störtebeker samt Kumpanen Kaperbriefe auszustellen, um der äußerst geschäftsschädigenden Piraterie auf der Ostsee Einhalt zu gebieten. Ein Kapitel, dessen näherer Interpretation sich man selbst im 21. Jahrhundert mild lächelnd gern verweigert! Neben den großen gotischen Backsteinkirchen entstehen in dieser Zeit Klöster, Hospitäler, das Rathaus, die Stadttore und 1419 mit der Rostocker Universität die älteste Alma mater im gesamten Ostseeraum. Der im Anhaltinischen wirkende Luther wirft seine Schatten bereit einige Jahre vor der eigentlichen Reformation nach Rostock. Wie auch heute noch üblich, hatten die öffentlich bestallten „Volksvertreter“ alle Hände damit zu tun, sich selbst die Taschen vollzustopfen. Einen Unterschied gibt es aber: damals ging die gebeutelte Bevölkerung auf die Barrikaden und erschlug den gerade geweihten Domprobst kurzerhand. In der mecklenburgischen Metropole Schwerin sah man dergleichen mit seltenem Wohlgefallen; schließlich war das die Gelegenheit sich mittels der verarmten Stadtbevölkerung Hab, Gut und Leben der schier unangreifbar gewordenen reichen Bürger zu bemächtigen. Die Herzöglichen punkteten zielgenau, fordern Buße, höhere Abgaben und zusätzliche Soldaten für das arg unterbesetzte mecklenburgische Heer. Mit Erfolg, die Chance es Lübeck oder Hamburg als freie Reichsstadt gleichzutun ist vertan. Es ist wie immer und überall: Hochmut kommt vor dem Fall. Der dauerte Jahrzehnte und brachte neben Niederlagen, Entbehrungen, Kriegen, Plünderungen und schier ewigen Streitigkeiten mit dem gerade regierenden Landesherrn, auch einen verheerenden Stadtbrand. Rostock war in dieser Zeit gleichbedeutend mit Bedeutungslosigkeit. Erst als aus Britannien die Welle der Industrialisierung an die mecklenburgische Küste schwappte, ging es ab 1850 wieder aufwärts. 380 Schiffe zählte der Hafenmeister an der Mole, die vornehmlich vom Getreideexport aus dem mecklenburgischen Hinterland lebten. Auch werftenmäßig machten die Rostocker mit dem Bau des ersten seegehenden Schraubendampfers Deutschlands von sich reden. Der Schiffbau etablierte sich vor allem durch die Neptun-Werft AG. Jährlich wuchs die Bevölkerung um ca. 1000 Einwohner; die Stadt platzte aus allen Nähten und mauserte sich in den folgenden Jahrzehnten zu Verwaltungszentrum und Kulturmetropole, Bankenstandort und Industrieniederlassung. Mit dieser Herrlichkeit war es dann wie überall in Deutschland im Jahre 1918 erst einmal vorbei. Die historische Entwicklung Rostocks ist seit 1323 untrennbar mit dem Schicksal Warnemündes verwoben. 1195 erstmals urkundlich erwähnt, wurde das kleine Dorf seinerzeit von der reichen Stadt Rostock einfach zwecks strategisch wichtigen Zuganges zur Ostsee aufgekauft. Warnemünde bestand bereits damals aus zwei parallel verlaufenden Häuserreihen, die „Vörreeg" (Vorderreihe) und „Achterreeg" (Hinterreihe) hießen. 1585 ging für Fischer, Seelotsen und Seeleute aus Warnemünde in die Analen ein, waren sie doch die Einzigen die noch ihrem Job nachgehen durften – alle anderen Gewerbe und Gewerke waren mit einer Art Berufsverbot belegt. Schließlich wollten die „Pfeffersäcke“ aus Rostock selbst alle anderen Geschäfte abwickeln. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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